Zentralrat der Ex-Muslime verurteilt Bezugnahme von Frankfurter Richterin auf den Koran

Köln, den 23.3.07

Der im Januar 2007 gegründete Zentralrat der Ex-Muslime reagierte entsetzt auf die Geschehnisse am Amtsgericht Frankfurt am Main. Mit Verweis auf den Koran lehnte es eine Familienrichterin dort ab, den Scheidungsantrag einer Deutschen von ihrem marokkanischen Ehemann als Härtefall zu behandeln, mit der Begründung, dass beide Ehepartner aus dem marokkanischen Kulturkreis stammen, in dem es nicht unüblich sei, „dass der Mann gegenüber der Frau ein Züchtigungsrecht ausübe“. Daher sei eine vorzeitige Scheidung nicht möglich und die Einhaltung des Trennungsjahres sei zumutbar.

„Wir verurteilen auf Schärfste die Argumentation der Richterin und sind schockiert, dass wiederholt in der deutschen Justiz der islamische Hintergrund eines Prozessbeteiligten sozusagen als „Rechtfertigung“ für eine Sonderbehandlung benutzt wird. In Deutschland sollten nur die deutschen Gesetze und die deutsche Verfassung gelten, und nicht Lehrsätze des Korans“ sagte Mina Ahadi, erste Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime. „Es kann doch nicht sein, dass religiöse Regeln herangezogen werden, um gewissermaßen Misshandlungen in der Ehe salonfähig zu machen. Auch für muslimische Frauen und Mädchen gelten die Grundrechte!“, so Ahadi weiter.

Der Zentralrat der Ex-Muslime wolle nun mit seiner Öffentlichkeitsarbeit erreichen, für die Zukunft Politik und Gesellschaft für die Probleme muslimischer Frauen zu sensibilisieren.
Dass die Richterin für befangen erklärt wurde, sei ein richtiger Schritt, aber es müsse noch viel mehr getan werden, um öffentliche Entscheidungsträger dazu zu bringen, dem politischen Islam die Stirn zu bieten und zu erkennen, dass falsche Toleranz sehr gefährlich sein könne, auch für die Grundsätze des deutschen Rechtsstaats.
Der Zentralrat der Ex-Muslime fordert daher die deutsche Politik und Öffentlichkeit dazu auf,
dafür zu sorgen, dass die Menschenrechte unteilbar sind und somit auch für all jene Menschen gelten müssen, die in einer sog. „muslimischen Kultur“ aufgewachsen sind und dass es auch in den sog. „muslimischen Ländern“ zahlreiche Menschen gibt, die sich zu keinem religiösen Glauben, sondern zu den säkularen Werten von Humanismus und Aufklärung bekennen.

Zentralrat der Ex-Muslime e.V.
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50519 Köln
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