Wir verurteilen den bestialischen Mord in Malatya und warnen vor der „Türkisch-islamischen Synthese“

Köln, 22.4.07

PRESSEMITTEILUNG:

Der Zentralrat der Ex-Muslime verurteilt den brutalen Mord an den drei Mitarbeitern eines christlichen Verlags, darunter ein deutscher Übersetzer und Berater in Erziehungsfragen, und spricht den betroffenen Familien und Hinterbliebenen sein herzliches Beileid aus. Wir sind zutiefst betroffen über das bestialische Verbrechen, aber nicht erstaunt.

Die furchtbare Tat ereignete sich in Malatya, im Südosten der Türkei, wo es schon vorher zu Ausschreitungen nationalistisch-islamistischer Kräfte gekommen war. Die fünf Täter, alle 19 oder 20 Jahre alt, hatten zunächst ihre Opfer „verhört“, um ihnen dann die Kehle durchzuschneiden. Gegenüber der Polizei erklärten die Mörder, sie hätten nicht für sich, sondern für ihre Religion getötet. Das Tatmotiv lag also eindeutig darin, den angeblichen „Feinden des Islam“, in diesem Fall Christen, eine „Lektion“ zu erteilen.

Das abscheuliche Verbrechen reiht sich ein in eine gezielte Hetzkampagne gegen alle Kräfte, die in den Augen der nationalistisch-islamistischen Rechten „die Ehre des türkischen Vaterlandes“ beschmutzen, sei es durch „unislamisches Verhalten“ von Nicht- und Andersgläubigen oder durch selbstkritische „Nestbeschmutzung“ wie im Falle von Orhan Pamuk und seiner Thematisierung des türkischen Genozids an den Armeniern. Den herrschaftskulturellen Hintergrund dieser gewalttätigen Kräfte bildet die „Türkisch-Islamische Synthese“, die spezifische Verbindung von Islamismus und großtürkischem Nationalismus, die Konservative , Islamisten und Rechtsextremisten („Graue Wölfe“) vereint. Allen geht es dabei um die „Verteidigung der religiösen und nationalen Ehre“. Diese reaktionäre Ehremoral dient dann als ideologische Antriebsgrundlage für die Rekrutierung zumeist junger fanatisierter Attentäter wie schon zuvor im Falle der Ermordung eines katholischen Priesters in der Stadt Trabzon und der heimtückischen „Hinrichtung“ des Journalisten Hrant Dink.

Hinter der künstlich errichteten Fassade einer Scheindemokratie fördert die türkische Regierung die reaktionären Kräfte auf eine hinterhältige und subtile Art. So arbeiten zum Beispiel in den islamisch dominierten Ministerien und Stadtverwaltungen nur noch Islamisten.
Wir fordern die türkische Regierung nicht nur auf, die Täter mit allen Mitteln eines Rechtsstaates zu bestrafen; sondern wir fordern sie auch auf, endlich demokratische Prinzipien einzuführen und öffentlich zu bekunden, dass es auch Menschen anderer Religionen und Sprachen gibt, die seit tausenden Jahren in der Türkei beheimatet waren und noch sind.

Der deutschen Öffentlichkeit möchten wir folgendes in Gedächtnis rufen:
Die „türkisch-islamische Synthese“ ist längst auch hierzulande angekommen. Rechtsextremismus in Deutschland hat nicht nur ein einheimisches Gesicht. Türkische Islamo-Faschisten („Graue Wölfe“) und Islamisten agitieren schon längere Zeit an deutschen Großstadtschulen, schüchtern Lehrer ein, begehren den türkischen Fahneneid und die türkische Nationalhymne im Haupt- und Berufsschulunterricht und propagieren den Heiligen Krieg.

Während die islamischen Organisationen in Deutschland mit Duldung und Unterstützung des deutschen Staates auf allen gesellschaftlichen Ebenen hemmungslos missionieren, wird in der beitrittswilligen Türkei das Prinzip der weltanschaulichen Freiheit und Gleichberechtigung immer noch mit Füßen getreten. Wir rufen die deutsche Öffentlichkeit und die Politik deshalb dazu auf, die Doppelmoral der Islamisten – hierzulande und in der Türkei- endlich zur Kenntnis zu nehmen und daraus politische Schlussfolgerungen zu ziehen.

Zentralrat der Ex-Muslime e.V.
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